Lust am Text: Rezension zu „Encounter // Begegnung“

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Gefrorene Weiße Elster (2018)

Das unter der künstlerischen Leitung von Katja Grohmann entstandene Stück „Encounter // Begegnung“ entwickelt leise und stetig einen Sog, dem man sich als Zuschauer kaum entziehen kann:

Die Faszination beginnt bereits mit dem Betreten des Vorführungsraums, der nahezu vollständig mit synthetischem Eis ausgelegt ist und damit das Eislaufen auch in kleineren Sälen, wie dem im Gohliser Kulturhof (Leipzig), ermöglicht. Hinzu kommt, dass eine trennende Bande zwischen Publikum und Künstlern – wie sie für gewöhnlich in großen Eislaufhallen zu finden ist – fehlt.

Wir werden eingestimmt von Visuals über eine, unsere gegenwärtige Welt: Eine Welt voller archaischer Schönheit und Weite, aber auch gezeichnet von Zerbrechlichkeit, Zerwürfnis, Um- und Abbrüchen.

Wie begegnet man sich in solch einer Welt? Sehen wir einander wirklich (an)? Hören wir einander wirklich zu? Hasse oder liebe ich? Wie nehme ich Verbindung auf? Wie spüre ich das allgegenwärtige Netzwerk? Wie agiert der Homo sapiens sapiens im Jetzt und welche Fußspuren hinterlässt er damit gleichzeitig in der (Un)endlichkeit des Seins?

Die vier Performer, bestehend aus jeweils zwei zeitgenössischen Tänzern und Eis(kunst)läufern (Elena Pyatigorskaya, Laura Berndt, Vivien Reichel & Peter Pfahl), haben sich auf die Begegnungsreise gemacht. Sie erschaffen mal liebevoll-berührende, mal dynamisch-kämpferische Szenerien. In der Aufeinanderfolge von Treffen und Auseinanderdriften offenbart sich bei den Akteuren das Zusammenspiel von focussiert gesetzter Kufentechnik, zeitgenössischen Bewegungs- und Improvisationsqualitäten, individuellem Ausdruck und einer steten Achtsamkeit füreinander.

Beim Betrachten des tanzenden Quartetts steigen Bilder und gedankliche Assoziationen auf. Zuweilen glaubt man sich in einer Art Meditation, wenn die Eisläufer – um den gleitenden Kufenschwung trotz der Raumenge nicht zu verlieren – sich im Unendlichkeitszeichen laufend durch den Saal bewegen. Infolge der unmittelbaren Nähe zu den Darstellern ergreift einen das Stück in besonderem Maße auch körperlich. Verstärkt werden all die Empfindungen und Gefühle durch die Musik von Baz Laarakkers (Niederlande), dessen live eingespielte sphärische Klänge direkt aus den (klimatisch begünstigten?) Nordländern zu strömen scheinen.

Wir sind mittendrin in der großen Warmzeit. Am Ende (der Performance) sind wir immer wieder selbst, unser Tun und unsere Visionen gefragt. Gern mehr von dieser Genre übergreifenden SynEisKunst (mit der Möglichkeit des anschließenden Künstlergesprächs) – in Leipzig und anderswo!

mehr zum Stück:
Encounter // Begegnung

Künstlerische Leitung:
Katja Grohmann (homepage)
Tanz, Eiskunstlauftraining (LEC), 
Workshopkoordination 

Empfehlung Blogartikel:
Workshoptipp: Eislaufen nur für
Tänzer*innen
Eisvergnügen mit Stoff für Erinnerungen

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