Tanzen: Gestern in Kiew & Heute in Leipzig

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Der zweite Advent neigt sich dem Ende zu. Gerade war ich noch mit Monika „on tour“ im Schleußiger Kiez. Nach einem leider verpassten Treppenchor-Konzert bliesen wir beide nicht lange Trübsaal, sondern vertieften uns in einem unserer Lieblings-Cafes bei Erfrischungsgetränk und glühendem Wein in ein Gespräch, das wie immer den einen oder anderen thematisch weiten Bogen schlug.

Beim abendlichen Heimweg durch die lichtintensiv fenstergeschmückte Quartierwelt von Schleußig machten wir noch einen kleinen Abstecher in den Hinterhof der Holbeinstraße 29. Hier fanden wir im Dunklen zwar nicht das, was wir suchten. Dafür ergab sich jedoch ein schöner Ausblick auf die warm beleuchteten Tanzräume von Leipzigs ältester Tangoschule – der „alma en vuelo“. Zum sonntäglichen Tango-Salon hatten sich so einige Paare eingefunden, die im sinnlichen Körper-Einklang das argentinische Tangobein miteinander schwangen.

Die frische Abendluft wirbelte meinen Kopf frei. Wieder daheim, kamen mir Monis Tanzbilder aus Kiew in den Sinn, von denen sie mir vor einiger Zeit – während eines gemeinsamen Herbstspaziergangs mit improvisierter Freiluft-Tanzeinlage – erzählt hatte. Ich bat sie an jenem Tag, mir doch ein paar Fotos mitsamt ein paar Zeilen zu dem Erlebten zu schicken, was sie gerne tat. An diesen möchte ich euch heute teilhaben lassen:

„November 1994, minus 15°C, Wochenende, in einem Park auf einer Insel im Dnepr, aus zwei Lautsprechern klingt Musik und die Menschen tanzen auf einer Betonfläche im Park. Ich lege meine Praktica auf einem Papierkorb auf, um zwei Dias zu machen. Irgendwie erinnert mich diese Szene an ein Bild von Pieter Bruegel, wo Bauern auf Schlittschuhen auf einem zugefrorenen See tanzen, den sonst schweren Alltag vergessend.

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Foto: Monika Fröhlich (1994)

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Foto: Monika Fröhlich (1994)

Ein Stück weiter sitzt eine Gruppe beim Picknick, die ich frage, ob ich sie fotografieren darf. Die Frauen erlauben es.

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Foto: Monika Fröhlich (1994)

Ich besuchte damals auch ein Kloster, vor dem zwei ältere Frauen standen und ein Lied sangen. Der Freund, den ich in Kiew besuchte, hatte sie schon öfter gehört und bat mich, die Frauen um den Text zu bitten. Mit den wenigen Vokabeln, die mir von all den Jahren des Erlernens der russischen Sprache geblieben sind, sprach ich sie an. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag um Ein Uhr an derselben Stelle. Sie waren auch wirklich da und gaben mir jenen Text …“

Egal zu welchen Zeiten und an welchen Orten der Welt: Tanzen ist ein unbändiges Lebensgefühl, das die Menschen miteinander in Kontakt bringt und sie leichten Fußes durch den Moment schweben lässt. In diesem Sinne mein Wunsch für die vorweihnachtliche Zeit: Tanzt, tanzt, tanzt – wo immer es euch auch überkommt 😉

PS: Links, die noch interessant sein könnten:

alma en vuelo - Tango argentino in Leipzig:
homepage

footprint-Interview:
Monika

Lesetipp: 
Wehmut, die man tanzen kann