Das Cloud Gate Dance Theater of Taiwan

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Es war im Jahr 1973, als in Taipeh ein gerade mal 26Jähriger mit dem Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan die erste zeitgenössische Tanzcompagnie der chinesischsprachigen Welt gründete. Initiator und bis heute künstlerischer Direktor des Ensembles ist der Choreograph und Schriftsteller Lin Hwai-min, einst selbst Tänzer und Lernender bei solchen, den modernen Tanz revolutionierenden Persönlichkeiten wie Martha Graham und Merce Cunningham.

Seither wurde Lin Hwai-min für seine außergewöhnlichen Choreographien mit vielen nationalen und internationalen Preisen bedacht, u.a. erhielt er im Jahr 2009 auf den Movimentos-Festwochen den Preis für sein Lebenswerk. Von 1988 bis 1991 pausierte Cloud Gate, Lin reist viel, vor allem in Indien. 1999 dann stellte der unermüdliche und stets auf der Suche nach Neuem seiende Mann den professionellen Tänzern die Junior-Compagnie „Cloud Gate 2“ zur Seite.

Der Name der Compagnie –  „Cloud Gate“ – nimmt übrigens Bezug auf einen der ältesten chinesischen Tänze. Der Historie und dem traditionellem Tanzerbe seines Landes fühlt sich Lin Hwai-min genauso verbunden wie dem klassischen chinesischen Repertoire. Seine weltweit gefeierten Inszenierungen sind sowohl von östlicher Spiritualität als auch von der Moderne des westlichen Theaters geprägt. Thematisierten die Stücke anfangs Taiwan’s soziale, historische und politische Angelegenheiten, so beschäftigten sie sich in der weiteren choreographischen Wanderschaft mit der Suche nach religiöser Erleuchtung.

Um die Jahrtausendwende wurde das Ausleuchten des Inneren zum Thema. Lin Hwai-min verabschiedete sich seinerzeit von dem Muss, Geschichten zu erzählen und fokussierte auf die Suche nach der größtmöglichen künstlerischen Freiheit. Die emotionalen Eigenwelten der Tänzer, ihr stimmungsvoller Expressionismus stehen seither im Vordergrund. „Meine Mission ist es, meinen Tänzern zu dienen“, verkündete Lin Hwai-min einst in einem Interview. „Ihre Bewegungen sind die einzige Wahrheit des Tanzes.“

Die Tänzer – sie sind seine Diamanten, die das Publikum immer wieder durch ihr besonderes Bewegungsvokabular berühren. Dabei greifen sie auf traditionelle chinesische oder asiatische Disziplinen wie die Meditation, asiatische Kampfkünste, das Schattenboxen („Tai-Chi“) oder Qigong zurück und verbinden diese mit klassischen und zeitgenössischen Elementen. Mal scheinen sie mühelos und federleicht auf der Bühne zu agieren, nur in Puls gesetzt durch ihren eigenen Atem. Dann wiederum spürt man als Betrachtender die alles durchdringende konzentrierte Kraft, die ihren immer auch fließenden Körpern innewohnt und wird zugleich zum mitruhenden Pol. Kreiert wird die pure Verkörperung einer Balance von Körper und Geist, die für den Zuschauer traumhafte Verschmelzung von Zeit und Raum – ob im Solo, im Duett oder ensembleal getanzt.

Die stete Bewegung scheint das Credo von Lin Hwai-min und seiner Tanzcrew zu sein. Bisher habe ich Aufführungen der Compagnie nur in Video-Sequenzen oder veröffentlichten Gesamtaufführungen im Internet bewundern können. Doch schon beim Betrachten dieser virtuellen Tanzwelten verliere ich mich in der Aura der Tänzer, lasse mich von ihren auskundschaftenden Körpern verführen und zugleich harmonisieren. Mit dem Ergebnis: Nicht nur das Tanzen, sondern auch Tanzende machen glücklich.

Das Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan wird übrigens in Kürze wieder mal im Festspielhaus Hellerau (Karl-Liebknecht-Str. 56, 01109 Dresden) zu bewundern sein. Am Freitag, den 9. und Samstag, den 10. Juni 2017 steht – jeweils ab 20 Uhr – der Doppelabend „White water / Dust“ auf dem Spielplan.

Zum Abschluss gibt es noch ein paar Videoempfehlungen meinerseits:

“Rice”

„Whisper of the eyes”

“Moon water“

In diesem Sinne: Panta rhei!

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