Engel im Stadtraum von Leipzig

2026-engelszeit-aufmacher

Während das Sakral-Jahr 2017 ganz im Zeichen des Reformators Martin Luther und seines vor 500 Jahren erfolgten Thesenanschlags an der Schlosskirche zu Wittenberg steht, gelang mir vor ein paar Tagen ein schöner medialer Netzfund, der Erinnerungen an das Leipziger Glaubensleben vor knapp einem Jahr wachrief.

Vom 26.-29. Mai 2016 stand in der sächsischen Metropole der 100. Katholikentag an, welcher Menschen unterschiedlichen Glaubens und Weltanschauung zusammenbrachte – ob in Diskussionen, bei Gottesdiensten, in Herbergs- und Privatunterkünften oder während der vielen kulturellen Veranstaltungen.

Im Reigen dieser Spätfrühlingstage traf insbesondere eine Open-Air-Darbietung meinen neugierigen Nerv: „Engelhaft – Tanzbilder für den Frieden und für den Dialog der Kulturen“. Dazu hatten sich 9 Tänzer mit verschiedenen religiösen Hintergründen und unterschiedlicher Nationalität (Algerien, Deutschland, Frankreich, Italien, Israel, Syrien und Türkei) zusammengefunden, um gemeinsam und gleichzeitig doch auf sehr individuelle Art und Weise an den verschiedensten städtischen Orten (u.a. in der Probsteikirche, am Augustusplatz und im Bildermuseum) als persönlicher Engel zu erscheinen.

Ich selbst durfte die „Engelhaften“ im Leipziger Nikolaikirchhof – einem besonderen, geschichtsträchtigen Ort zu Zeiten der friedlichen Revolution von 1989 – erleben. Leise und doch bestimmt, anmutig und ohne Zweifel kraftvoll, erdverhaftend im Hier und gleichzeitig federleicht im Jetzt schwebten die Tänzer zu Beginn der Performance über das Großsteinpflaster in den Aktionsraum hinein. Passanten blieben stehen und ließen sich „umengeln“, während Andere im Weitergehen ungläubig den Kopf schüttelten. Die cosmopoliten Engel zeigten (etwas von) sich, agierten miteinander und suchten den Dialog. Begab sich einer der Welt erkundenden Engel in den persönlichen Raum eines standhaften Beobachters, konnte man dessen Präsenz unzweifelhaft spüren …

Wild, lustvoll und spielerisch wurden Teile des Engelstrupps am und im Chipperfield-Brunnen. Das überlaufende Wasser des an der Nikolaikirche aus Lausitzer Granit errichteten Bauwerks symbolisiert den Freiheitsdrang der Menschenmasse, die im Herbst `89 ebendort friedlich demonstrierten. Die harmonisierende „Achse der Engel“ fand hier – im Impro-Spiel mit dem Wasser – dann einen gelungenen Abschluss.

Allein dieser Part der Open-Air-Serie erzeugte bei mir eine besondere, das Innere zum Klingen bringende Stimmung. Zu den speziellen Aufführungsmomenten für die Tänzer dürfte zudem die in den frühen Morgenstunden (05.20 Uhr MESZ) des 27. Mai im Leipziger Rosenthal stattgefundene Performance gehört haben, von der ich aus einem persönlichen Gespräch mit Claire Wolff – einer mittanzenden „Engeline“ und im bodenhaftenden Leben u.a. Tänzerin am Leipziger Tanztheater (LTT) – erfuhr. Und an dieser Stelle schließt sich dann auch der Kreis zu meinem anfangs erwähnten Medienfund, denn hierbei handelt es sich um den projektbezogenen, kaleidoskopartigen Videomitschnitt von Alessio Trevisani, Choreograph und künstlerischen Leiter der LTT-Company.

Nun könnt ihr euch also entspannt zurücklehnen und für 6:26 min in die seinerzeit kreierten Engelwelten entschwinden. Viel Freude beim Anschauen und der eigenen Verbindungssuche im interstellaren Raum …

Und hier geht’s zum Video.

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