Im Focus: Vögel des Glücks

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Und jedes Jahr grüßt der Kranich – so könnte in Abwandlung an eine filmische Murmeltier-Hommage (mit Bill Murray) das Intro zu diesem ganz speziellen Tanzartikel lauten. Denn seit Februar hat das alljährlich anstehende, internationale Rückfluggeschehen der Graukraniche aus ihren Winterquartieren eingesetzt, wobei sich als erstes die mitteleuropäischen Brutvögel aus Spanien und Frankreich auf den Heimweg gemacht haben. Seit Anfang März sind es – laut Auskunft des NABU – vermehrt die Brutplatz Treuen aus Skandinavien und dem Baltikum, während at Momentum die dritte Grus grus (lat. für Kranich)-Welle verstärkten Anflug auf den hohen Norden nimmt.

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Kranich (Studie I)

Wenn die „Vögel des Glücks“ zurückkehren, räumt der luxarme und kalte Winter sein Berechtigungsdomizil und macht den Weg frei für die lauernde Wärme, das zunehmende Licht und die genüssliche Nahrungsfülle der Folgejahrzeiten. Doch was hat all dies denn nun mit dem Tanzen zu tun?

„Wer einen Kranich sieht, hat Glück. Wer einen Kranich tanzen sieht, hat doppelt Glück!“

Dieses sibirische Sprichwort bringt es auf den Punkt: Kraniche sind ganz wunderbar elegante Tänzer.

Ein ausgefärbter Altkranich ist in ein grau-gefiedertes Gewand gehüllt und mit schwarzen Schwungfedern ausstaffiert. An seinen Ellenbogengelenken setzen verlängerte Schwungfedern an, die als sogenannte Schleppe in freudiger Erregung filigran aufragen, vom Wind zerzaust sind oder – ohne aktionsreichen Habitus – einfach so herabhängen. Je nachdem, wie der Glücksvogel seinen Körper (bzw. seine Armschwingen) zum Einsatz bringt, kann der Kranich die Wirkung seines Federschmucks verändern, ihn gestalterisch einsetzen und ggf. untermauern. Auffällig für den Schreitvogel ist zudem seine schwarz-weiße Kopf- und Halszeichnung sowie der rote, kahle und stark durchblutete Kopffleck am Scheitel. Das Rot kann der flirtierende Kranich übrigens sowohl in der Größe als auch von der Leuchtkraft her verändern.

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Kranich (Studie II)

Diese natürliche Ausstattung ist ganz essentiell für die im zeitigen Frühjahr anstehenden Balz- tänze, bei denen es darum geht, einen Partner zu finden. Während der Balz stolzieren die Vögel nahezu herrschaftlich über die Feldflur und tragen den prachtvollen Federschmuck ihrer Schleppe sowie die individuell leuchtend-rote Kopfplatte zur Schau. Während dessen breiten sie immer mal wieder ihre prächtigen Armschwingen aus, vollführen mit ihrem Kopf und ihrem langen Hals schlangenartige Auf- und Abwärtsbewegungen und lassen anhaltende Rufduette erklingen. Der Tanz trägt dazu bei, die Bande zwischen den Paaren zu stärken, dem Partner wird „aufgewartet“. Befindet sich ein Kranichpaar im Hochzeitsduett, so stimmt das Männchen eine Rufreihe an, in die sich das Weibchen dann einklinkt. Beide bringen sich so in Stimmung für die Paarung. Nach dem Akt kann es dann auch nochmal ein rituales Tänzchen geben.

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Kranich (Studie III)

Spannungsreich wird es, wenn zwei Männchen den Prahl- und Parademarsch aufführen. Hoch aufgereckt beäugen sich die Konkurrenten, es wird die Schleppe hergezeigt und wenn nötig die stolzen Brustmuskel im Gegeneinander-Sprung getestet. Gleichzeitig wird sich mit trompetenartigen Rufen „duelliert“. Wer die rötere Kopfplatte hat, darf auf eine eindrucksvollere Wirkung seiner Statur (gegenüber dem Rivalen) oder seines Tanzes (bei der Angebeteten) hoffen.

Ungeachtet der folgenreichen (Verhaltens)Biologie ist der Kranich-Tanz mit seinen aufgeführten Luftsprüngen und seinen tänzerischen Figuren ein unnachahmlicher Ausdruck der Lebensfreude dieser Tiere. Wohlan dem, der Kraniche tanzen sieht 😉

Wer sich im Weiteren für diesen kosmopoliten Vogel interessiert, dem sei das Buch „Kraniche – Graue Tänzer an Bodden und Meer“ (aus dem Demmler-Verlag) mit stimmungsvollen Fotos und fundierten Texten des Kranichspezialisten Rico Nestmann an’s Herz gelegt. Es hat mich zu diesem Text und den flinken Zeichnungen inspiriert.

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